Drei Wochen sind wie im Fluge vergangen und so steh ich nun um 06.40 Uhr am Bahnhof Paris l’Est, voll bepackt mit sau schwerem Gepäck, und wie könnte es anders sein? Mein ICE nach Frankfurt fällt natürlich aus. Vielen Dank Deutsche Bahn – immer wieder ein Vergnügen mit euch! Der Mann von der Info meint, ich müsse den TGV nach Stuttgart nehmen, der würde eine halbe Stunde später fahren. Wie kommt es eigentlich, dass ein ICE bei Schnee nicht fahren kann, aber ein TGV schon?! So laufe ich zum Gleis 7, wo gleich zwei Züge auf mich warten. Einer fährt nur bis nach Straßburg, einer nach Stuttgart. Frage ich die erste Serviceperson, „welcher der beiden fährt denn nach Stuttgart?“ – „der Erste!“. Ich zeige auf den Wagen neben mir und frage, „also der hier?“, der Mann nickt „ja, ja!“. Beim Einsteigen frage ich einen anderen Mann, „fährt dieser Zug nach Stuttgart?“ - „ja“. Nach dem ich endlich einen freien Platz ergattert hatte (in diesem Zug hatte ich ja keine Reservierung) frage ich meine Sitznachbarin – „dieser Zug fährt nach Stuttgart, oder?“ – „ja, ja. Über Straßburg“. Es kommt die erste Durchsage: „Willkommen im Zug nach Stuttgart über Straßburg und Karlsruhe“. Ich bin überzeugt und lehne mich entspannt zurück…
10 Minuten später schallt es durch die Kabinen: „Dieser Teil des Zuges fährt nur bis nach Straßburg! Alle Passagiere nach Deutschland müssen in Straßburg in den anderen vorderen Teil des Zuges umsteigen!!“ WAS?! Seit wann liegt denn Stuttgart nicht mehr in Deutschland?! Schließlich wurde mir ja x-mal versichert, dass dieser Teil nach Stuttgart fährt. *seufz* Nun gut, muss ich also mit der Tatsache leben, dass dies ein anstrengender Tag wird. Viel mehr interessiert mich nun, ob und wie viel Entschädigung ich von der Bahn für diese Umstände bekommen werde. Bekommt man nicht den gesamten Fahrpreis erstattet, wenn ein Zug ausfällt?!
50 Minuten nachdem der Zug losgefahren ist, kommt ein Mann und meint, er habe eine Reservierung für meinen Platz. Also sitz ich nun auf der Gepäckablage in der Mitte des Abteils. Aber immerhin – ich sitze. Bzgl. des Herrn frag ich mich, hast du 50 Min. gebraucht und deinen Platz zu finden? Oder hattest du Durchfall?! Bzgl. der Deutschen Bahn frage ich mich, wie tief muss man sinken, um seinen Kunden zuzumuten, dass sie evtl. 6 Stunden stehen für einen Preis, für den man in einem Luxusrestaurant in Paris ein 3 Gänge Menü genießen kann?
Möchte meine neugewonnene Zeit nun nutzen, um die letzten drei Wochen etwas Revue passieren zu lassen. Im Großen und Ganzen habe ich die Franzosen als nicht so offen und freundlich empfunden. Da war ich froh, dass meine Gastmutter total nett war und somit mein Image über die Franzosen doch noch gerettet hat. Die Sprachbarriere ist immens. Und man traut sich eigentlich gar nicht, seine Brocken Französisch im Alltag auszuprobieren, da man ständig Angst hat, dass einem nur offenkundige Verachtung entgegenkommt. Paris an sich ist zwar eine tolle Stadt und das Essen ist toll! Aber was nützt das alles, wenn man keinen Draht zu den Leuten hat?
Französisch lernen und sprechen hat mir sehr viel Spaß gemacht! Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass meine beiden Lehrer (Luc und Bruno [s.Bild]) unglaublich tolle Persönlichkeiten sind. Sie haben es geschafft, dass die täglichen 4 Stunden Unterricht jedes Mal wie im Fluge vergangen sind und man sich jeden Tag aufs Neue auf die Schule gefreut hat. Mal eine ganz andere Frage – liegt eigentlich das (Fremd-)Sprachenzentrum des Gehirns im vorderen Hirnlappen? Spüre nämlich seit paar Wochen ein leichtes Ziehen an der Stirn… Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass sich neue Synapsen bilden? Wäre ja toll ;-)
Die Schule an sich würde ich, trotz der tollen Lehrer, wohl nicht nocheinmal wählen. Die anderen Lehrer sind nämlich laut dem, was ich von den anderen Schülern gehört habe, nicht so prickelnd und außerdem störte es mich sehr, dass die Klassen einerseits mit bis zu 15 Schülern sehr groß sind und die Schüler ständig wechseln. Auch war das Sprachniveau der einzelnen Schüler in einer Klasse teilweise sehr unterschiedlich. Misslungen fand ich auch, dass kein Lehrbuch existiert und keine Hausaufgaben vergeben wurden. Aber versteht mich nicht falsch! Ich habe wirklich große Fortschritte gemacht. Nur vielleicht hätte man in einer anderen Schule viel mehr erreicht.
Meine Entscheidung, in einer Gastfamilie zu wohnen und dort auch tägliche Abendessen mit zu buchen, war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Die gemeinsamen Dinner waren die perfekte Gelegenheit, das in der Schule Gelernte gleich zu üben. Außerdem waren die Mahlzeiten immer sehr lecker und reichlich (stets 3 – 4 Gänge) und man konnte kostengünstig die französische Küche kennenlernen. Die Mousse au Chocolat meiner Gastmutter ist der HAMMER! Da Madame Remouit immer noch 2 bis 3 andere Sprachschüler da hat, ist dies auch eine gute Gelegenheit, auch Leute aus anderen Ländern kennenzulernen. So weiß ich z.B. nun, dass ich in Kolumbien zu groß wäre (ähhh, nein nicht in die Breite, sondern in die Höhe), um einen Mann zu finden.
Es wird langsam hell draußen und der TGV rast durch eine wunderschöne Winterlandschaft. Schön! Nur mein Hintern tut langsam weh vom Gitter der Gepäckablage…
So geht nun wieder ein Abenteuer zu Ende. Mein Nächstes wird drei Monate Genf im Sommer 2011 sein. Vielleicht gibt’s dann wieder einen Blog – mal sehen. Das Kapitel „Paris“ aber wird hiermit offiziell geschlossen. Zum Schluss - als kleines Schmankerl - gibts noch ein Rezept von der phänomenalen Mousse au Chocolat von Madame Remouit ;-).
Vielen Dank für euer Interesse! Au revoir!
~ La Fin ~
La mousse au chocolat de Madame Rèmouit
1 tablette de chocolat noir patissier
125 g de beurre
2 cuillères à soupe de sucre
4 oeufs
1 pincée de sel
Faire fondre le chocolat avec le beurre en feu doux.
Ajouter le sucre, puis les 4 jaunes d'oeufs.
Battre les blancs d'oeufs avec une pincée de sel.
Remuer délicatement le mélange (crème/blancs).
Mettre au frigo 1 heure.
Ne pas manger après 12 heures d'attente.
Bon appetit!
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