Freitag, 3. Dezember 2010

Je suis à Paris!

... und das schon seit letzten Sonntag (28.11.2010)!

Ich erfülle mir nun endlich meinen lang ersehnten Wunsch und lerne Französisch. Hierfür habe ich bei der Sprachschule Accord einen dreiwöchigen Intensivkurs gebucht. 20 Stunden die Woche à 60 Minuten, d.h. Mo - Fr täglich von 9 - 13 Uhr.

Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob dieses Vorhaben so eine gute Idee war. Schließlich steh ich vor meinem 2. Staatsexamen... so kurz vorher noch 3 Wochen Urlaub nehmen - da kommt man schon ins Grübeln. Selbst als ich im Zug nach Frankfurt saß hatte ich nicht das Gefühl, dass jetzt wieder ein neues Abenteuer beginnt. Viel mehr fühlte es sich an, als würde ich einen Tagestrip nach Frankfurt unternehmen. Erst als ich mich in Frankfurt in den ICE Richtung Paris setzte und die erste französische Durchsage hörte überkam mich die Erkenntnis:

"Wow! Ich fahr tatsächlich nach Paris!!!"

So kam ich ohne jegliche Probleme in Paris Gare de l'Est an. Kaufte mir gleich eine Wochenkarte für die Metro und begab mich auf die Plattform der Metro Nr. 4, um zu meiner Gastfamilie zu fahren. Ja - und da stand ich erstmal. Aus irgendeinem Grund fuhr die Nr. 4 nämlich nicht mehr. Es kam zwar alle 2 Minuten eine Durchsage, um die Massen auf der Plattform zu beruhigen, aber da sich mein französisches Vokabular zu dieser Zeit auf "Je m'apelle Ina" und "Je ne comprends pas" beschränkte, konnte ich nur hilflos so tun, als würde mir das alles nichts ausmachen. Nach etwa einer Stunde fuhr die Metro dann auch zum Glück wieder. So zwängte ich mich mit meinem riesen Gepäck in die überfüllte Metro, erntete dafür etliche böse Blicke, Ächtzer und böse Kommentare. Très charmant, diese Franzosen!

Nun gut, zumindest wurde ich dann sehr herzlich von meiner Gastfamilie empfangen. Madame und Monsieur Remoit und ihre 6 Töchter. Naja, nicht ganz. Es sind nur noch 2 zu Hause. Sie besitzen ein 5-stöckiges Hochhaus und vermieten die Appartements an Sprachschüler. Mit Händen und Füßen stellte ich mich vor und versuchte verzweifelt irgendwie zu erklären, dass Würzburg eine ganz tolle Stadt ist, bis Madame Remoit mich endlich erlöste und auf mein Zimmer im 2. Stock führte.

Ein kleines schäbiges Zimmer - aber alles vorhanden, was man braucht. Als Dauerstudent hat man ja gelernt genügsam zu sein. Leider ist es wirklich laut, weil das Zimmer direkt zur Straße zeigt. Auch da gibts ne Lösung - Ohropax rein und gut ist.

Leider ist die erste Nacht trotzdem sehr unruhig. Kopfweh plagt mich und verlässt mich die nächsten drei Tage nicht - trotz übermäßigem Konsum von Aspirin und Grippostat. Vielleicht ist es die Umstellung, vielleicht der Stress im Unterbewusstsein - je ne sais pas!

Aber der Schulalltag hat begonnen! Nach einem kurzen Einstufungstest stuft man mich in A 1.2+ ein - was immer das auch bedeutet. Auf jeden Fall verstehe ich die ersten 2 - 3 Tage fast nichts. Ab dem 4. Tag wird es wesentlich besser - die Kopfschmerzen sind endlich auch weg. Vielleicht liegt es daran, dass ich jeden Abend mit Madame Remoit zu Abend esse und dabei sozusagen gezwungen bin, das Gelernte anzuwenden. Zumindest bin ich nach 5 Schultagen soweit, dass ich zumindest ganz einfachen Smalltalk führen kann.

Der Unterricht an sich ist super! Mein Lehrer Luc ist zwar optisch nicht gerade ne Bombe, aber darum geht es hier ja auch nicht ;-P Er gestaltet den Unterricht sehr interessant und wir kommen gut voran. Das einzige, was mich evtl. etwas stört, ist, dass wir kein Lehrbuch haben, sondern nur täglich Arbeitsblätter ausgeteilt bekommen. D.h., man muss alle Vokabeln, die man im Unterricht nicht versteht mitschreiben und zu Hause nochmal nacharbeiten. Andererseits trägt das auch dazu bei, dass man konzentrierter den Unterricht mitverfolgt. Nach 4 Stunden bin ich dann auch jedes Mal richtig geschlaucht...

Trotzdem mache ich mich immer gleich nach der Schule auf, um Paris zu erkunden. Kurz noch ein Sandwitch gekauft, stampfe ich mampfend durch die Straßen. Meine Schule befindet sich an der Metro Haltestelle Grand Boulevard, also ein perfekter Ausgangspunkt.

Laut meinen Eltern war ich mit 10, 11 schon mal in Paris - woran ich mich aber überhaupt nicht mehr erinnern kann. Bis ich in St. Chapelle die großen Glasfenster sah. Da kams mir wieder - ja, das habe ich schonmal gesehen!



Weiter haber ich mir auch schon u.a. die Oper, das Sacrè Coeur, die Kaufhäuser Galerie La Fayette und Printemps, etc. pp. angesehen. Schon ganz schön eindrucksvoll. Natürlich war ich auch schon paar mal auf den Champs Élysées und beim Palais de l'Élysée und habe mir den Arc de Triomphe angeguckt. Ich war auch im berühmten Louis Vuitton (LV) und muss feststellen - die spinnen ja, die Chinesen! Die kaufen den ganzen Laden leer! *kopfschüttel* Da kostet ne Handtasche 2000 € + und die kaufen gleich 10 davon. Nun ja, also wie gesagt, find ich alles sehr schön, aber ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum alle diese Stadt so faszinierend finden.... V.a. als ich zum Moulin Rouge gelaufen bin und durch das Rotlichtmilieu musste, fand ichs das alles überhaupt nicht faszinierend. Nein, aber mal ehrlich, die Champs Élysées ist doch nur Show. Und die ganzen teuren Läden sind doch auch total uninteressant, wann man nicht Millionen aufm Konto hat.

Ja, so schlenderte ich durch die Straßen und Gassen von Paris - relativ unbeeindruckt - bis ich, auf der Suche nach dem teuersten und - laut Reiseführer - besten Schokokuchen in ganz Paris, in das Viertel St. Germain, Quartier Latin & Luxembourg kam. Es handelt sich hierbei um das Viertel um den Panthéon herum. Jetzt mal abgesehen von dem super teuren Schokotörtchen, das 6,20 € pro Stück (ca. 10cm Durchmesser) kostet (der war schon gut, aber net so gut, dass ich nochmal soviel Geld dafür ausgeben würde) - dieses Viertel ist der Hammer!! Wenn ich mal in Paris leben sollte, möchte ich hier wohnen! Lauter kleine individuelle Geschäfte, ein Café nach dem anderen, Antiquariate, Papeterien, Chocolatiers und Patissiers und man spürt - hier knistert die Luft, hier befinde ich mich in einer anderen Welt! Ja - so habe ich mir Paris eigentlich vorgestellt. Das ist der Charme, nach dem ich gesucht habe.



So gehen ereignisreiche 5 Tage zur Neige. Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man in einem anderen Land ist. Aber ich hab ja noch ein paar Tage vor mir, worüber ich weiterhin berichten werde. Also denn - à bientôt!


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