Samstag, 4. Dezember 2010

Versailles

Heut war endlich Versailles dran. Versailles!!! Maß aller Chateâux! Dort, wo Lady Oscar wohnte... äh nein. Aber ja, Lady Oscar hat mich geprägt - natürlich als Manga in der japanischen Fassung. Ich hab im Geschichtsunterricht mal eine 1 bekommen, weil ich aus dem Stegreif 45 min lang über die Geschichte Versailles und der französischen Revolution referiern konnte - Lady Oscar sei Dank! Und nun - endlich - werde ich die Geschichte hautnah erleben!!


Als ich in Versailles ankam, fing es an zu schneien. An der Statue von Louis XIV waren es nur wenige Flocken. Bis ich am Ticketverkauf war, hatte ich es mit einem Schneesturm zu tun! Ich fands toll! Hatte ja auch paar Tage zuvor eine tolle Pelzimitat-Mütze gekauft. So ging ich vergnügt durch den Schnee.





Leider war der Park und die hinteren Teile von Versailles wegen des Schnees gesperrt. Schließlich hatte sich innerhalb weniger Minuten eine cm-dicke Schneedecke gebildet. So musste ich mich mit einer englischen Führung durch die Privatgemächer des Königs und das Theater, der normalen Tour durch das Hauptgebäude und einer Sonderausstellung "Science in Versailles" zufrieden geben. Dieser ganze Prunk erschlägt einen richtig! Man kann sich gar nicht vorstellen, dass in diesen ungemütlichen Räumen tatsächlich jemand gelebt hat. Aber ich muss sagen, wenn ich die Wahl hätte, wäre ich lieber König von Frankreich als Kaiser von China. Im Vergleich zum Leben in der Verbotenen Stadt, war das Leben in Versailles bestimmt amüsanter.

Amüsant waren auch die Statuen des japanischen Künstlers Takashi Murakami. Quietsch bunte Manga-Statuen inmitten von Gold und Stuck. Trés bizarre! Die Statuen an sich fand ich witzig, aber die Kombination wollte so gar nicht passen. Meiner Meinung nach, hätten die Organisatoren eine andere Location wählen sollen. Aber für den Künstler ist dies natürlich geniales Marketing. Alle Welt spricht über ihn, weil es grad so schockierend ist.



Um 16.00 Uhr war ich dann durch und es hatte auch aufgehört zu schneien. Ich war auch fix und fertig! Wahnsinn, wie weitläufig allein das Hauptgebäude ist. Ich weiß nicht, wie man danach noch den riesigen Park erkunden soll! Nächstes Mal werde ich dann nur den Park und den hinteren Teil besichtigen.

So fuhr ich wieder nach Paris. Im Zug fing mein Problem an.

Als ich vor 5 Tagen in Paris ankam, wollte ich zwar französisch reden, doch fielen mir nur chinesische Vokabeln ein. "Buhao yisi... äh no, pardon, excusez-moi...". Nun saß ich im Zug neben einem älteren Chinesen, der mit seinen Fingern auf seinem Oberschenkel klopfte, so als würde er im Geiste Klavier üben. Nun wollte ich ihn auf Chinesisch ansprechen: "Üben Sie Klavier?" - und mir fielen einfach nicht die chinesischen Wörter ein! Z.B. "Sie" - da kam mir nur "tu" in den Sinn. Es hat ewig gedauert, bis mir wieder einfiel, wie "Sie" auf Chinesisch heißt. Anscheinend gibt es ein spezielles Kämmerlein in meinem Gehirn mit dem Türschild "Fremdsprache" und das Französische verdrängt langsam mein Chinesisch aus dem Raum. Ahhhh! Ich bin verwirrt! Soviel zu meinem Problem.

Zurück zu Hause traf ich Pauline, die Tochter meiner Gastfamilie. Sie ist Cello Lehrerin und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihr zusammen zu musizieren. So spielten wir ca. 1 Stunde lang Mendelssohn-Bartholdy, Schumann, etc. Das war herrlich!!!! Ich liebe Kammermusik! Kann nie genug davon kriegen. Und obwohl ich alles vom Blatt gespielt habe, hat es echt gut geklappt. Hätte nicht gedacht, dass ich es noch kann - Klavier spielen. Habe sogar das Gefühl, dass ich es jetzt viel besser vom Blatt spiele, als früher.

Wir haben uns versprochen, dass wir noch ein paar mal zusammen spielen werden, bis ich wieder nach Deutschland fahre. Ja - wo die normale Sprache aufhört, fängt die Musik erst an!

Mit diesen Worten - à la prochain!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen